| Graffiti
I
'Steine, nichts als Steine, zerstreut und abgewetzt'
Kreischt der Papagei Seneca aus dem Ristorante
Angekettet, Sklave neben Stuhl und Tisch
Autoblech im Schatten des Ölbaums
Lästige Gäste, träge Katzen und Händler
gedeckt
Von der mobilen Polizeistation
Im Auge behalten: Richtungsänderungen
Hochfrisiert röhren die Vespas mit Atemschutzfilter und
Helm
An vorderster Front sich behaupten vor rechts und links
Einen Sommer lang
II
Woher der Taubendreck vom Himmel fiel?
Niemand hat es gesehen
Ein Gruß von Astarte
Für die Seelenvögel
Spiegelwand und Brunnenwasser
Giglio und Giacinta warten, wer heute
Den Hanswurst macht im Cafe Greco
Doppelt verkehrt im Glas voller Schwindel.
'Tell Laura I love her, tell Laura I need her'
Auf diese Weise den Tag beginnen
Die Traubenernte einbringen und Marios Stimme
Hören sein 'Recondita armonia'
Außerhalb von Sant'Andrea della Valle
War sein Gott der nächste Tourist, ein Pilger
Vor der Madonna in San Agostino
III
Statuen und Museumsstücke
Hinter dem Wandtabernakel der Thronsessel
In Mosaik gesetzt: 'Märtyr'
Auf der Rücklehne auch dieses Kreuz
Achse des Universums jener Baum
Baldachin mit zwölf Tauben, Brot und Wein
Tiefer unter der Kirche, unter dem Wohnhaus
Ein Dunkel, das nicht finster war
Zugeschüttet
Ausgegraben
Sitzgelegenheiten
In Nischen darüber
Stuck und Sterne am Gewölbe
IV
Aus dem Grottenstein geboren
Erscheint Gott Mithras
Den Mondstier zu töten beauftragt von Helios
Fruchtbar sei es für die Erde
Stierblut im Zeitenwechsel
Erneut mit erhobener Flamme
Versenken die Genien das Licht
Beim Siegesgelage mit Ferkel und Lamm
Wenn köstlicher Wein reichlich fließet
Erinnert das Rad des Gefährts auf den Fresken
An die Reise des Gottes zum Himmel
V
Unterirdisch an feuchten Wänden
Farbengraffiti a Petro e Paolo
Beim Eingang der Katakomben
Der betende Mensch mit erhobenen Armen:
'So gewiss ist die Liebe, wenn einer den anderen
Erhöht' und kein Richtergott herrscht
Über den Satzbau und den Stein für die Große
Mutter
Überbaut mit dem Dom auf dem siebenten Hügel.
Weder Papst zu erkennen, noch Päpstin
Die schwarze Kybele allein
Mit dem Palmenzweig
Und kein Richtergott herrscht
Über Senecas Worte
Und dessen Blicken von der Campagna aus
Auf die Gemeinplätze hin zu Stadt
Der Marmorthron
Auf dem Relief im Museum
Steigt die weiße Göttin aus dem Meer
( Rom 1997 )
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