Fischmäuler und Museumswärter

Zu Rosemarie Zens, Lesung „Im Maul des großen Fisches“, 20.4.2002
Schloß Caputh, Festsaal, Caputh bei Potsdam
Begleitung: Friedemann Graef, Saxophon


Vielerlei hatte Platz gefunden im „großen Bauch des Fisches“, wie es Rosemarie Zens zu Beginn angekündigt hatte. Die Autorin las aus ihren Lyrikbänden „Lautlos. Regenatem“, „Aus dem Logbuch“ und „Museum Erde. Magazin“. Vor allem auf Reisen sammelt sie die Eindrücke, die sie später in Gedichten verarbeitet. Bilder von fernen Meeren entstehen da, von fremden Menschen, von unbekannten Gegenden, von ungewöhnlichen Gedanken. Diese Art der Reflexion ist jedoch nicht nur für den Hörer eine Gelegenheit, sich auf Reisen zu begeben. Sie ist auch für die Autorin eine Möglichkeit, das Erlebte zu verarbeiten und nicht „zerflattern“ zu lassen.
Die Rezitationen der Autorin wurden umspielt von den Saxophon- und Bassklarinettentönen Friedemann Graefs, der die dargestellten Stimmungen in die Musik aufnahm und sie so verlängerte und verstärkte. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Künstlern entwickelte sich auf Initiative ihres Verlages. Der Aphaia Verlag aus Berlin, der sein Angebot vor und nach der Lesung vorstellte, hat ein Konzept entwickelt, das zeitgenössische Literatur mit Musik und bildender Kunst verbindet. Ein im Verlag erschienener Lyrikband enthält deswegen nicht nur Gedichte, sondern auch Partituren von Musikstücken sowie grafische Elemente, beispielsweise Holzschnitte oder Zeichnungen.
Allerdings erkennen nicht nur die Zuhörer und Leser die enge Verknüpfung der Künste, auch für die Autoren, Musiker und Künstler entwickeln sich ganz neue Formen der Zusammenarbeit. So entdeckten Rosemarie Zens und Friedemann Graef, wie ähnlich ihre Arbeit ist. „Die Improvisationen von Graef enthalten viele Motive aus verschiedenen Ländern. Sie werden in der Musik ähnlich verwoben wie die Motive in meinen Gedichten“, erklärte die Lyrikerin….

(Dörthe Adler in der Märkischen Allgemeinen, 22.04.2002)