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Rosemarie
Zens, Lesung "Im Maul des großen Fisches"
20.4.2002
zusammen mit Karl Heinrich Brokerhoff,
Sanfte Satiren im Schloß Caputh, Festsaal, Caputh bei
Potsdam / Begleitung: Friedemann Graef, Saxophon
Dörthe Adler, Fischmäuler und
Museumswärter, Märkische Allgemeine, 22.4.02
Die Angst, verschlungen zu werden und in den Tiefen des Fischkörpers
zu verschwinden, aber auch den Wunsch nach Geborgenheit, nach
einer Schutzhülle versinnbildlicht das Symbol vom großen
Fischmaul. Deshalb wohl hat das Kulturforum Schwielowsee gemeinsam
mit seinen Gästen, den Autoren Rosemarie Zens und Karl
Friedrich Brockerhoff sowie dem Saxophonisten Friedemann Graef,
dieses Symbol in den Titel der zweiten Veranstaltung der Reihe
"Literatur im Schloß Caputh" aufgenommen.
"Im Maul des großen Fisches und andere Geschichten"
waren am Samstagabend im Festsaal des barocken Kleinods zu
erleben.
Vielerlei hatte Platz gefunden im "großen Bauch
des Fisches", wie es Rosemarie Zens zu Beginn angekündigt
hatte. Die Autorin las aus ihren Lyrikbänden "Lautlos.
Regenatem", "Aus dem Logbuch" und "Museum
Erde. Magazin". Vor allem auf Reisen sammelt sie die
Eindrücke, die sie später in Gedichten verarbeitet.
Bilder von fernen Meeren entstehen da, von fremden Menschen,
von unbekannten Gegenden, von ungewöhnlichen Gedanken.
Diese Art der Reflexion ist jedoch nicht nur für den
Hörer eine Gelegenheit, sich auf Reisen zu begeben. Sie
ist auch für die Autorin eine Möglichkeit, das Erlebte
zu verarbeiten und nicht "zerflattern" zu lassen.
Die Rezitationen der Autorin wurden umspielt von den Saxophon-
und Bassklarinettentönen Friedemann Graefs, der die dargestellten
Stimmungen in die Musik aufnahm und sie so verlängerte
und verstärkte.
Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Künstlern entwickelte
sich auf Initiative ihres Verlages. Der Aphaia Verlag aus
Berlin, der sein Angebot vor und nach der Lesung vorstellte,
hat ein Konzept entwickelt, das zeitgenössische Literatur
mit Musik und bildender Kunst verbindet. Ein im Verlag erschienener
Lyrikband enthält deswegen nicht nur Gedichte, sondern
auch Partituren von Musikstücken sowie grafische Elemente,
beispielsweise Holzschnitte oder Zeichnungen.
Allerdings erkennen nicht nur die Zuhörer und Leser die
enge Verknüpfung der Künste, auch für die Autoren,
Musiker und Künstler entwickeln sich ganz neue Formen
der Zusammenarbeit. So entdeckten Rosemarie Zens und Friedemann
Graef, wie ähnlich ihre Arbeit ist. "Die Improvisationen
von Graef enthalten viele Motive aus verschiedenen Ländern.
Sie werden in der Musik ähnlich verwoben wie die Motive
in meinen Gedichten", erklärte die Lyrikerin.
Wie sich so eine Zusammenarbeit praktisch gestaltet, war im
zweiten Teil der Lesung zu erleben, als Karl Heinrich Brockerhoff
zwei seiner Geschichten und ein Erzählgedicht vortrug
und Friedemann Graef - offensichtlich unvorhergesehen - improvisierte.
Der Gesichtsausdruck Brockerhoffs während des musikalischen
Vortrags verriet, wie überraschend so eine Überführung
von Worten in Töne sein kann.
Brockerhoff vermochte mit seinen heiteren Geschichten um einen
Museumswärter, der eigenmächtig die ausgestellte
Kunst "kreativ" bearbeitete, und um einen Dichter,
der keine passende Musik zu seinen Vorträgen findet und
schließlich zur eigenen Mundharmonika greift, einen
Bogen zum Ort und zur Atmosphäre der Lesung zu schlagen.
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